14.04.2018

Der Job (revisited, for the last time?)

Mut und Gnade.
Sein und Tun.
Ergebung und Wille.
Völliges Aufgehen und grimmige Entschiedenheit.

Leidenschaftliche Gelassenheit.

09.04.2017

Frühlingsgruß

Sie dachten
Wünschten
Es wäre etwas
Liebe
Vielleicht

Sie lachte
Machte ein
Gesicht etwas
traurig
Sicherlich

Er ließ los
Entspannte
Seine Hand
Der rote Ballon
Schwebte davon

Es ist
Wie es ist
Und so
Wie es ist
Ist es gut

25.03.2018

Momente (II)
 
 

Zwischen Friedrichstraße und Hackescher Markt rückte Roland von einem Platz am Gang ans Fenster auf, hielt sein Gesicht in die Sonne und fühlte sich schön.

– Tobias Premper: Erst einmal für immer (2015)

16.02.2018

Haiku (XXII)
 
 
Glaubenssatz, was nun?
  Allein dein Kirchturm steht noch –
staubig, amüsiert.

31.01.2018

Haiku (XXI)
 
 
Die Angst und der Mut –
  sie tanzen miteinander.
In Verletzlichkeit.

21.12.2017

Haiku (XX)
 
 
Lindgrün und senfgelb,
  sich lächelnd sanft umarmend –
Zahnbürsten im Glas.

06.12.2017

Haiku (XIX)
 
 
Spiegel im Spiegel:
  Nachmachen, dann vormachen.
Nichts mehr zu machen.

27.11.2017

Enthüllung/Umhüllung
 
 
Ein Engel setzte sich heute Nacht an mein Bett, er hatte weder Flügel noch ein Geschlecht, er war einfach da, als ich ihn brauchte, vielleicht hatte ich ihn gerufen, ich weiß es nicht. Leise legte er sich neben mich, schmiegte sich an mich, nahm mich zärtlich in den Arm, er spürte, dass ich traurig war und wollte mich trösten. Ich ließ es zu, es fiel mir schwer, er streichelte meinen Rücken, meinen Kopf und ich musste weinen.

»Wenn du nur sehen könntest, was ich sehe«, flüsterte er ganz leise und mein Schluchzen wurde lauter.

»Du würdest für andere sterben, so sehr liebst du sie. Dein Herz ist groß, weil du um das Fehlen von Zuneigung, Verständnis und Annahme nur zu gut weißt«, sprach er. »Und um den Schmerz und das Leid, die daraus entstehen«, ergänzte er nach einem Moment.
Er suchte meinen Blick, vorsichtig, ich floh seine Augen, ertrug die Nähe nicht.

»Du bist ein so liebenswerter Mensch. Und du weißt es nicht. Du willst es nicht wissen. Es macht dir Angst. So, wie deine Verneinung dessen wiederum den Menschen Angst macht, weil du keine Verantwortung übernimmst – für diese Qualität, aber hauptsächlich nicht für für dich.«

Die Zärtlichkeit des Engels war entwaffnend. Mir blieb keine Wahl, ich musste sie zulassen.

»Ich hatte Angst, dir dies zu offenbaren. Was für ein Geschenk du bist, was für einen Unterschied du machst, in der Welt«, sagte er nach einen kleinen Pause.

»Weißt du auch, warum? Ich hatte Angst, dich zu verlieren. Ja, so ist es. Denn: Würdest du erkennen, wer du bist, was du bist, wie du bist – so großartig, so einmalig, so wunderbar – dann würdest du dich möglicherweise von mir abwenden. Weil du erkennst, dass deine Liebe nicht weniger wird, sondern mehr, wenn du dir erlaubst, sie zu teilen. Das dachte ich, oh ja! Das jedoch war allein meine Angst. Du kennst sie ebenfalls gut. Aber: Es ist nicht deine, es darf und muss nicht deine sein.«

Ich erlaubte mir, seinen Blick zu erwidern. Was ich sah ließ mich ruhig werden, mein Atmen erfolgte wieder von selbst, der warme Geruch dieses Wesens neben mir umhüllte mich wie eine sanfte Decke.

»Nun bin ich mir sicher, dass du mich nicht enttäuscht. Deshalb schenke ich dir diese einfache Wahrheit. Um dich und mich zu erlösen. Es ist ganz einfach. Lass es zu.«

Er küsste die wunde Stelle über meinem linken Auge, es brannte einen kurzen Moment, dann ließ die Spannung an dieser Stelle nach, die Haut wurde glatt und der Engel verschwand so überraschend, wie er gekommen war. Ich spürte einen kleinen Windhauch. Vielleicht besaß er ja doch Flügel.

Ich schlief ein und erwachte irgendwann am nächsten Morgen. Alles war wie immer. Bis auf jene Stille, so betörend laut und schön, dass es keine Worte für sie gibt. In mir.
 
 

26.11.2017

Trust (enough)
 
 

I wanna sing to a room full of strangers
just for fun, oh what could be stranger?
but what I really want is your trust
and this singing, I hope it’s enough

– Devon Welsh
 
 

20.11.2017

Haiku (XVIII)
 
 
So einfach und schwer:
  Dieses Getragenwerden
ertragen lernen.