11.05.2026
Briefe an die Töchter (XX)
War nach meinem Dienst noch im SBBTK – G. funkte mich vor Dienstschluss an: »Ey, wo bleibste? Das Subb feiert heute 10-Jähriges!« OK. Erstmal Meet-&-Greet, hallo hier, hallo da. Schließlich stieß ich auf P., jenen Rumänen. Er machte mich bekannt mit J., einer Landsmännin (komisches Wort, btw) von ihm. Sie hat in Bukarest als Journalistin gearbeitet, nun unterstützt sie exilierte Rumänen, die in Deutschland arbeitstechnisch von unserem asozialen System ausgebeutet werden.
Wir kamen tiefer ins Gespräch. Ich erzählte ihr von meinen balkanischen Wurzeln, Siebenbürgen-Deutsche und so, auch von Opa G’s. Bruder, der nach Adolfs »Heim ins Reich«-Parole zur SS wollte und in Auschwitz »diente«.
Sie erzählte mir im Gegenzug von ihren galizischen Wurzeln, dass sie Halb-Jüdin sei – und ihr Opa davon schwärmte, dass Galizien damals ein ethnischer Schmelztiegel war, auch intellektuell, wo alle Rassen und Religionen in friedlicher Koexistenz lebten. Dann kamen aber Ideologie und andere Psychopathien, fortan starben diese humanistischen Faktoren.
Ich weiß nicht mehr genau, welche Worte es waren, die ich ihr sagte, die sie dazu brachten, mich spontan zu umarmen, fest, zitternd; Tränen drückte sie mir dabei aufs Hemd. Ich spürte einen Menschen, etwa mein Alter, der bass erleichtert war, weil sie – endlich? – einem Menschen begegnete, der – wie sie – versucht, zu verstehen. Und versöhnen möchte.
We all are one. Der Rest ist schlecht erzählte Propaganda. Wir alle suchen Freiheit, Verbindung, Verständnis, Empathie, Solidarität.
Solche Begegnungen, wie heute – ungeplant, unkontrolliert, frei – sie machen uns zu wahren Menschen.
Es braucht mehr davon. Dazu benötigt es nur mehr Unvoreingenommenheit, Neugier. Und ehrlichen Mut.
Bleibt stark, bildet Banden, verbindet euch – authentisch.
Ach so: In Bezug auf den augenscheinlichen Wahnsinn um uns herum kommt mir gerade spontan ein aktueller Song von Markus Nikolaus (Lea Porcelain) in den Sinn, der »those in charge« sehr eindeutig klassifiziert (bitte maximal laut hören)