19.07.2017

Haiku XIV
Für J.S.S.
 
Seelenwanderung.
  Unruhig, tastend, harrend, ach –
Der Große Geist lacht!

12.07.2017

Lacrime dolci
Für Frida
 
Streichle meinen
Rücken bitte
Sagt sie atmet
Ein und schmiegt
Sich an mich fest
Vertrauend umarmt
Die Hand ein kleines
Herz ein Klopfen
Spürt Haut so zart
Wie jene Stimme
Die nun flüstert
Grad so laut
Dass ich es hör’
Ich liebe dich

Den Tag atmet sie
Aus schläft ein
Mit ihrem Einhorn
Im Mund schmecke
Ich eine Träne
So süß ist sie
Und heilsam

07.07.2017

Im Juli
 
 
Stukas im Wind diese Schwalben
Tollkühn zerfleddern die Frisur
Auch Mauersegler am Kanal wo
Geflüchtete Zuflucht finden und
Die Boom-Box Hip-Hop säuselt
Sanfte Kanak-Sprak in aller Ohr
Das Blut der Mund die Nase
Voll mit einem anderen Grase

Straßen lächeln sich aus
Transpirierende Asphaltfalten
Wohlriechend besonders die
Frauen freudig in Erwartung
So anmutig & rund & braun
Bekriegen sich Linde und Lavendel
Um Lufthoheit olfaktorische
Erinnerungsboxen voll Wassereis
Und Chlorgeschmack das Rotgesicht
Erfrischt in städtischer Brunnengischt
Kühl sind Kopf und Wange
Eiswein heisst der Retter

Das Herz das Herz jedoch und ach –
Es klopft so mörderisch in Samt
Ein Waldbrand gierig, gütig, übermütig
An der Stechuhr wartet schon die Sonne
Kein Salz auf vertrautfremder Haut
Nur ein Sinken in zwei Kissen
Nachtigall ick hör’ dir trapsen

Eines davon
Ja, das ist
Eindeutig
Zu viel

30.06.2017

Lass uns nicht von Sex reden
 
 
Es ist schön
Dass es dich gibt
Sagt sie und
Eine andere
Sagt dies auch
Zu mir bist ein
Schöner Mann
Flüsterte an meinem
Ohr eine weitere

Doch Männer waren es
Die ich küsste zwei
Auf die Wange und
Einem Hund gar die Nase
Weiche Gesichter
Die ich berührte
Vorher

Vorher war anders
Regeln unerfahren
Erahnt
Allein:
Nun geht’s heim
Gewichtslose Arabesque
Ein Pfund Leichtigkeit bloß
Dramaturgie wie
Musik Tanz Poesie
Beglückendem Sex ähnlich
Dieses Leben

Liebe ist die Antwort
Angst stellt falsche Fragen
 
 

22.06.2017

Haiku (XIII)
 
 
Nun lass ich Dich los,
  mutiger Sprung ins Leere –
fraglich bleibt: wessen.

15.06.2017

Haiku (XII)
 
 
Oh, es ist simpel:
  Tanz nur mutig das Leben –
Verbindung als Spiel.

31.05.2017

Gnade
 
 
Vollstrecke das Ich
Alles meint Nichts
Gedankenimplosion

Erinnerungssplitter
Engel mit Dreitagebart
Oder Blümchenkleid
Aber kein Geflügel

Das bist du
Bist es immer
Schon gewesen

Sonnengeblinzel
Tränenzerstäuber
Funkentanz und
Sprachlosglück

So einfach ist das
Sicher
Vielleicht

Nicht
 
 

29.05.2017

Pathologische Poetologie
 
 
Racheübung bloß
Schmerzstummes
Opfergeflüster
Ein Heimzahlen
Mit Reimzahlen
Exorzismus
Menschlich

Unausgesprochen
Der stille Wunsch
Ausgelacht
Umarmt zu werden
Am innersten Ort
Heilsam wahr
Kein falsches Wort

26.05.2017

Abrechnung
 
 
Existenzielle Einsamkeit ist im Grunde nichts weiter als das Produkt aus:
Da-Sein minus So-Sein mal Ego.
Bekanntlich ist das Ich eine Illusion. Faktor Null.
Demnach und rein logisch inexistent – die Einsamkeit.
Abgerechnet wird jedoch weiterhin erst am Schluss.
 

Wenn ich bin, weil ich ich bin, dann bist Du weil Du Du bist; wenn ich aber bin, weil Du bist, dann bin ich nicht ich und Du nicht Du.

— Ein unbekannter Rabbi

23.05.2017

Gegen alle Regeln
 
 
Paare unpassend
in zuckrigem Schmelz
üben den Sommer
stolpern über grüne
Narben ins Lieben

Bademantel aus Samt
samt Frottage am Ofen
Der Abend wirft sich
in Schale der Himmel
zackig gekämmt und
Lachshäppchen am Ohr
bereit zur Erstkommunion

Nur die Kirschen werfen wild
Fallobst trügerischer Stille

Schwalben erschwindeln
sich hoch dank Unterdruck
Ente klatscht fickrig den
Frosch ins Schilfgeschick
Der Warzenprinz opfert sich
Reihers sattem Schnabel
In Wellen lustlos aussortiert
am Forellenschwanz am Ende
wie entglitten so verlassen

Und Schweinebauchschwaden
umhüllen verzückte Mücken
Besoffen die Sowjet-Krähen
Endgültig sind’s Deserteure
Kein Wodka keine Matrjoschka
lockt sie heim ins Reich
der unabhängigen Staaten

Nur joggendes Neon noch am
Horizont als Notwendigkeit
ersehnter Alleinsamkeit

So grundlos liegt der Teich doch
ein Ungeheuer steckt im Schlick
es träumt den Schlaf des Gelinkten

Warte nur
mein Kind
bis die
Nacht sich
erbricht und
ein Fandango
der Fratzen
die Idylle
zerdrückt

Wenn
Frösche flüchten
Fische gefrieren
Dommeln reihern
ins Gebüsch
vor Angst dass
es sie frisst
ausgehungert
wie es ist

Was niemand weiß
Es will nur spielen
zu Regeln die sich
finden womöglich
erst bei Tageslicht