In kleinen Dosen

31. August 2009

By montillon [ http://www.flickr.com/photos/montillon/3216317664 ] CC-BY-SAMeine Schwester arbeitet in der chemischen Forschung. Während ihrer Ausbildungszeit war es üblich, verharzte Hände mit Benzol zu reinigen. Das funktionierte auch ganz prima — bis man heraus fand, dass diese aromatische Verbindung schwer krebserrregend ist.
Auch verstieg man sicher früher in der Annahme, ein Fluss wäre sauber — bis es Messgeräte gab, die kleinste Mengen von Cadmium im ppm-Bereich nachweisen konnten.

Was sagt uns das?

  1. Die Wissenschaft bleibt nicht stehen, sie macht Fortschritte, sie lernt nie aus.
  2. Wissenschaftliche Ergebnisse sind also relativ und niemals abschließend.
  3. Was man nicht sucht, wird man (meist) nicht finden.
  4. Etwas, was momentan noch nicht nachweisbar ist, wird man zukünftig vielleicht beweisen können.

Das alles finde ich super. Wissenschaft ist töfte, macht hin und wieder sogar Spaß, hält den Verstand auf Trab und ist das bisher beste Mittel, der Realität immer näher auf die Pelle zu rücken.
Vielleicht findet man dann auch irgendwann heraus, dass Homöopathie und andere alternative Heilmethoden tatsächlich wirken. Oder das alles eben doch nur Scharlatanerie brutalsten Ausmaßes ist.

Bis dahin werde ich deshalb vermeiden, solche Diskussionen erneut zu führen.
Weil ich weiss, dass ich (eigentlich) nichts weiss.

FTD ruft zur Revolution

30. August 2009

© Chris.Corwin [http://www.flickr.com/photos/flickerbulb] CC-BY-SADer Kettenbrief-Kapitalismus tut so, als wäre das Beinahe-K.O. des letzen Jahres nichts weiter gewesen, als ein sanfter Tritt vor’s Knie. So beschert Jupp Ackermann der Deutschen Bank gerade einen Gewinn von schlappen 1,1 Millarden Euro — nach Steuern. Business as usual, bald regnet’s wieder Spekulatius für die Riskant-Spekulanten.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist ein Kommentar von Thomas Klau in der Financial Times Deutschland.

Schon im zweiten Absatz lauert Unerhörtes:

In Zeiten, die ideologisch revolutionär sein könnten und analytisch revolutionär sein müssten, optieren ungerührte Wähler anscheinend für ein Weiter-so.

Revolutionäre Zeiten? Analytische Revolution? Respekt.
Besonders der letzte Satz des Artikels lässt aufhorchen:

Wer künftig stabilere Verhältnisse will, muss neue Lösungen wollen und Kontinuität bekämpfen. Stabilitätspolitik ist heute nicht konservativ, sondern revolutionär.

Es gibt sie also doch noch — Stimmen im mittlerweile gleichgeschalteten Medien-Morast, die einen klaren Kopf beweisen und konsequenterweise den radikalen Wandel fordern.
Auf dass sie Gehör finden. Spread the word.

Setup & Pay-off

29. August 2009

Die Begriffe »Setup« und »Pay-Off« finden in der Dramaturgie Verwendung. Sie bezeichnen den Vorgang, Infos zu pflanzen (“Hey, Mutti hat ja ‘ne Wumme! Warum das denn?”), um das Rätsel dann später aufzulösen (“Mutti erschießt den psychopatischen Hamster. Cool!”).

Gerade lese ich über Doris J. Heinze — die inzwischen suspendierte NDR-Fernsehspielchefin — folgendes:

Die Verantwortliche für die Nord-”Tatorte” hatte in den vergangenen Jahren nachweislich in mindestens vier Fällen Drehbücher ihres Mannes verfilmen lassen, die Identität des Autors aber geheim gehalten. Er schrieb unter dem Pseudonym Niklas Becker. Die Auftragserteilung an direkte Angehörige ist nach den Vorschriften des NDR nicht erlaubt.

Solch unverschämte Vetternwirtschaften, subtile Seilschaften und falsche Loyalitäten sind mir bestens bekannt. Es gab sie bei Sat.1, bei teamworx, bei der UFA. Sie waren ausschlaggebend, dass ich 2003 der TV- und Filmbranche adé gesagt habe. Es ging nicht mehr um Qualität, gute Geschichten — oder, dass einer möglichweise wirklich was zu sagen hat — nein, es ging nur um Knete, Macht und Egos. Im schlimmsten Fall alles zusammen.

Scheiße schwimmt bekanntlich oben. Doch schon damals wusste ich: Alles, was man tut im Leben hat Konsequenzen. Jedes Setup hat sein Pay-Off.

Manchmal auch erst im 7. Akt.

Meiner Genugtuung tut dies allerdings keinen Abbruch.

>> Aktualisierung 31.08.2009: Hier finden sich weitere Details zu diesem Sumpf. Und einen intelligenten Kommentar von Claudius Seidl kann man hier lesen. Mein Liebster Satz daraus:

Und wenn Drehbuchautoren und Regisseure depressiv, trunksüchtig, sprachlos werden: Umso schlimmer für sie; sollen sie sich andere Berufe suchen.

Ich muss seit einiger Zeit Situationen ertragen, die aufgrund unnötiger Reibungsverluste mein Wohlergehen ungemein zu beeinträchtigen drohen – erzeugt von hier nicht namentlich genannten Mitmenschen (die gern Profis wären, aber bestenfalls und mit viel Glück in der Amateurliga spielen).

Dies passiert nicht im wirklichen Leben — also, nicht da, wo es wesentlich ist.

All jenen, die das Leben nicht als großes Spiel begreifen und über so ein Problem weglächeln können, leistet Peter Brodericks wunderbarer Song »And It’s Alright« vom ebenso wunderbaren Label Type Records den dankbaren Dienst, sie in Momenten, in denen sie von Ohnmacht umnachtet scheinen, wieder auf die Beine und den Boden der Tatsachen zu helfen.
Zu dem also, was tatsächlich zählt.
Zum Beispiel: Sieben Sternschnuppen in einer Nacht zu sehen.

Nicht vergessen: Es sind immer die kleinen Dinge, die wirklich bedeutsam sind.